Rückenwindradeln an der Ostsee          

Die diesjährige Mehrtagesfahrt der Naturfreunde Büttelborn ging diesmal an die Ostsee, die zu Deutschlands schönsten und deshalb auch beliebtesten Radwandergebieten zählt. Die Radwege sind überwiegend flach und führen, mit Blick auf das blaue Meer, durch herrliche, unberührte Natur, verschlafene Ortschaften, aber auch belebte und mondäne Seebäder. Um diese Landschaft mit dem Rad zu erleben, traten Mitte Mai 42 Naturfreunde mit ihren Fahrrädern die Reise an. Bereits auf der Fahrt informierte die Reiseleitung über die landschaftlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten und so konnten erste Eindrücke gesammelt werden. In einem schönen Hotel in Stralsund, deren Altstadtbereich auf der Weltkulturliste steht, waren die ersten vier Übernachtungen gebucht. Hier stieß auch unsere Reiseführerin Alice zu uns, die uns die kommenden 5 Tage begleitete, die Vielfalt und Schönheit der Landschaft zeigte und uns mit Informationen über Kultur, Land und Leute versorgte.

Gab es am ersten Tag noch erhebliche Zweifel, ob das Rückenwindradeln funktionieren wird, konnte die Gruppe durch die Begleitung des Busses flexibel je nach Windrichtung Abfahrts- und Ankunftsort festlegen. Auch das gute Wetter tat sein übriges. Die erste Tour führte an der malerischen Ostseeküste entlang von Rerik über Kühlungborn und Heiligendamm nach Warnemünde. Fast immer die See im Blick, wechselten Flach- und Steilküste mit Wald, Feldern und reetgedeckten Häuser der Badeorte. Hier kreuzte auch die legendäre „Molli“, eine fast hundertjährige nostalgische Schmalspurbahn, unseren Weg. In Heiligendamm, wegen ihrer klassizistischen Gebäude auch „weiße Stadt am Meer“ genannt, bestaunten wir das mondäne Grand Hotel und das neu errichtete Severin Palais, wo 2007 unter strengen Sicherheitsmaßnahmen der G8-Gipfel der Staats- und Regierungschefs der führenden  acht Industrieländer stattfand. Im quirligen Warnemünde promenierten wir am „Alten Strom“ an den Cafes, Kneipen und Geschäften vorbei, in der Luft hing der Duft von frisch geräuchertem Fisch, der von den umgerüsteten Kuttern verkauft wurde und bestaunten das riesige Kreuzfahrtschiff „Aida“, das gerade zur Weiterfahrt beladen wurde.

Die beiden nächsten Tagesetappen führten uns nach Rügen, Deutschlands größte Insel. Von Sassnitz-Mukran  aus ging es zunächst zur baulichen Großruine nach Prora, einer Hinterlassenschaft aus Nazitagen. In dem geplanten gigantischen "Kraft durch Freude"-Bad sollten im 10-Tage-Rhythmus jeweils 20.000 Menschen untergebracht werden. Es wurde nie vollendet. Die Bauruine steht heute weitgehend leer, der vier Kilometer lange Bauklotz beherbergt lediglich einige kleinere Museen, eine Jugendherberge und eine Galerie; die weitere Nutzung ist noch unklar. Das anschließende Waldgebiet Granitzer Forst stellte sich als recht hügelig heraus und abgekämpft erreichten wir Rügen´s größtes und vornehmstes Ostseebad Binz. Nach kurzer Besichtigung des prächtigen Kurhauses und des historischen Zentrums mit den vielen holzverzierten Villen und unzähligen Geschäften ging es weiter nach Sellin, mit seinem mächtigen Steilufer. Eine steile, mächtige Holztreppe führt hinab zur fast 400 m langen Seebrücke mit  seinen wunderschnen Cafes und Pavillons. Der weitere Weg führte uns dann in den Südosten Rügens über die Halbinsel Mönchsgut zu dem Tagesziel Klein Zicker. An dem schmalen Sandstrand haben die Surfer ihr zu Hause gefunden.

Die zweite Tour auf Rügen führte uns zunächst zu den weißen Kreidefelsen, wo das waldige Gebiet schroff zur Küste hin abfällt. Berühmtester Aussichtspunkt ist der 117 m hohe Königsstuhl, der höchste Felsen der Kreideküste. Nach kurzer Busfahrt ging es in Breege auf die Räder. Zunächst führte die Fahrt über die Wittower Halbinsel zum Wieker Bodden, immer die hüglige Küste entlang, durch den Märchenwald zum Kap Arkona mit den beiden Leuchttürmern sowie den Burgwallresten eines slawischen Tempels. Nach Stärkung mit Kaffee und Kuchen radelten wir weiter zu dem unter Denkmalschutz stehenden Fischerdörfchen Vitt und dann nach Juliusruh, unserem Zielort.

Ein Höhepunkt war sicherlich die Halbinsel Fischland, Darß, Zingst mit dem vielen Kilometer langen Strand, den weißen Sanddünen, den schilfbewachsenen, sanft geschwungenen  Boddenbuchten, weiten Wiesen und den verstreuten Häusergruppen. Im Schutzgebiet Darßer Urwald kann sich die Natur weitgehend selbst entwickeln. Von Dierhagen ging es über das Künstlerdorf Ahrenshop und Born in den größten Urlaubsort der Halbinsel nach Zingst.

Auch am nächsten Tag standen Strand und Meer auf der Insel Usedom im Vordergrund. Ab Heringsdorf, wo wir zweimal übernachteten, ging es an der Steilküste weiter. Hier mischt sich die Seeluft mit dem Duft der Kiefern- und Buchenwälder; die ganze Insel ist ein Naturpark. Belebte traditionelle Seebäder, wie Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin, Zinnowitz machten Usedom zur „Badewanne Berlins“. Aber auch kleine familiäre Badeorte wie Ückeritz, Koserow, Karlshagen oder Trassenheide prägen die Insel. Der Küstenradweg war durchaus nicht flach. Nach wenigen Kilometer galt es den Streckelsberg mit 56 m Höhe und einer wunderschönen Aussicht zu überwinden. Ab Karlshagen traten wir die Rückfahrt an, da ein Gewitter sich ankündigte.

Als wir abends die Räder in Heringsdorf abstellten, hatten wir 5 wunderschöne und interessante Touren hinter uns, viel gesehen und erzählt bekommen, aber auch immerhin 243 km auf dem Tacho stehen. Die Pannenquote war bei nur zwei defekten Reifen durchaus akzeptabel, zumal sie schnell behoben werden konnten. Auch unterwegs verlorengegangene Fahrer waren abends bei Busabfahrt alle wieder eingesammelt. Da auch keine Unfälle passierten, das Wetter mitspielte und der Wind immer von hinten blies, waren alle Teilnehmer mit der 7tägigen Ostssee-Tour hoch zufrieden. Auf der Heimfahrt bedankte sich die Gruppe bei der Familie Vollhardt für die organisatorische Vorbereitung und Durchführung der Fahrt, dem Reiseleiter Armin Hanke für die Begleitung und die sachlichen Informationen zur Landschaft und den kulturellen Highlights sowie dem Busfahrer Uwe für seinen schwierigen Job und den ausgezeichneten Fahrkünsten. Alle freuen sich schon auf die nächste Tour, die jetzt viel durchtrainierter in Angriff genommen werden kann.
                                                                                                                                           Ludwig Hofmann

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   en Haufe Leit und ....................
        
         
                       

                     
   
                   

       

 

......ein paar Landschaften