Eine seltsame
Reise nach Han. Münden vom
25. - 29. Mai 2011

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Und es begab sich, dass zwei Büttelborner Naturfreunde sich
auf Anraten
ihrer jeweiligen Leibärzte just zu gleicher Zeit bei einer medizinischen
Koryphäe im Welfenland eines schweren operativen Eingriffs zu unterziehen hatten.
Als dies den "Freunden der Natur" zu Ohren kam, zeigten
sich sogleich ihrer sechsunddreißig an der Zahl solidarisch, indem
sie beschlossen, die Zwei auf diesem gefährlichen Weg zu begleiten,
um ihnen bei der eventuell letzten Reise erforderlichen Beistand am
Krankenbett leisten zu können. Um ihnen zuvor noch ein paar schöne Tage im
Kreise dieser lieben Vereinsmitglieder zu gönnen,
hatte Vereinsreisemarschall Heinz Vollhardt spontan für ein paar Tage
Zerstreuung gesorgt, indem er einfach ein paar Besuchstage in dieser Stadt, wo "Werra
sich und Fulda küssen ...... usw.", einstreute, um dadurch den
leidenden Patienten einiges von ihren Ängsten und Besorgnissen zu nehmen. (Hierzu
am Ende mehr)
Also traf man sich Mittwoch morgen bei schönstem Sommerwetter, um per Bus
diese Reise anzutreten. Bevor jedoch das eigentliche Reisedomizil
in Han.-Münden angesteuert wurde, war noch ein Zwischenhalt in
Kassel-Wilhelmshöhe eingeplant. Hier konnten im Wilhelmshöher Bergpark das
Schloss, die schon als Ruine erbaute Löwenburg oder dem auf der Höhe
thronenden Herkules ein Besuch abgestattet werden. Besonderen
Eindruck hinterließ natürlich der Wasserfluss über die Kaskaden mit der am
unteren Ende mächtig emporschießenden Wasserfontäne.Am zweiten Tag -schon
in Han. Münden- galt es die Tilli-Schanze zu ersteigen, von deren Aussichtsturm
man einen wunderschönen Blick auf die Altstadt genießen konnte. Am Nachmittag
schloss sich eine Schifffahrt auf Fulda und Weser an. Freitag stand eine
Stadtführung durch die wunderschönen Fachwerkstrassen auf dem Programm.
Anschließend hatte jeder Zeit und Muße, sich in der Stadt umzutun. Besonderes
Interesse weckte hier ein in einer entweihten Kirche erstandenes Cafe. Am
vorletzten Tag gab es eine Wanderung Werra aufwärts, um sich nach ein paar
Kilometern in einem Landgasthaus ein Mahl nach "Art der alten
Römer " servieren zu lassen. Diese Speisen allerdings waren ein
wenig gewöhnungsbedürftig (zumindest für den Schreiber). Allein schon das
uralte Rezept des für die Zubereitung dieser "römischen
Leckereien" erforderlichen Geliermittels war sehr aussergewöhnlich und
sollte hier aus Lebensmittel- hygienischen Gründen nicht wiedergegeben werden.
Es ist nur zu hoffen, dass der Koch des Lokals dafür ein anderes Rezept parat
hatte. So, und nun kommt der Clou der ganzen Reise: (deshalb ist der Bericht auch so
lang geraten)
Als an diesem Abend alle Teilnehmer wieder im Hotel versammelt waren, kam
ganz überraschend die Nachricht, dass die anfangs erwähnten Operationen
schon am gleichen Abend stattfinden würden. Der ruhmreiche Operateur hatte aus
Zeitgründen beschlossen, die Eingriffe gleich im Hotel vornehmen zu wollen.
Natürlich waren alle verwundert und sehr bestürzt ob dieser ungewöhnlichen
Maßnahmen. Die beiden Patienten verkrochen sich blitzschnell erst mal
verängstigt auf ihre Zimmer, um sich die vermeintlichen Wunden zu lecken.
Kurz nach dem Abendessen war es dann so weit: In grossem Auftritt und in
ungewöhnlicher Monitur und langen wirren Locken betrat der selbsternannte
Supermann den Raum und erläuterte umgehend den völlig
perplexen Gästen und Patienten seine aussergewöhnlichen
Behandlungsmethoden. Sie würden sich gründen -natürlich abgestimmt auf die
Neuzeit- auf bewährte Heilmethoden des Mittelalters. Hierzu gehöre auch, dass
sich der Patient während der Eingriffe in gewohnter Umgebung mit Familie und
Freunden befände. Sollte sich herausstellen, dass operiert werden muss, wird
dies in sitzender Stellung vorgenommen. Der für die Eingriffe erforderliche
Anästhesist sei verhindert, diese Aufgabe wird einer von ihm ausgewählten
Person der hier Anwesenden übertragen. Besorgnis hierüber sei nicht
angebracht, liege die Sterblichkeitsrate doch immer noch weit unter
achtzig Prozent. Für die Assistenz dieser etwas aussergewöhnlichen
Behandlungsmethoden erwählte er wie zufällig und für alle überraschend die
"Bessere Hälfte" des ersten Patienten und stattete sie mit den
erforderlichen Narkosegeräten aus: eine Beruhigungsspritze von der Grösse eines
mittleren Abflussrohres und ein Geräts ähnlich eines heute
gebräuchlichen Vorschlaghammers für die Narkose. Die Behandlungen seien durch fotografische
Abbildungen für die Nachwelt zu dokumentieren. (s. Fotos)
Die Spannung unter den Büttelborner Naturfreunden erreichte ihren Höhepunkt,
als nun bei Patient "A" -nennen wir ihn aus Gründen ärztlicher
Schweigepflicht einfach mal "Lu..."- die Befragung begann.
Dieser gab an, dass er nach Einnahme von Erbsen- oder Linsensuppe immer
entsetzliches Bauchgrimmen in Verbindung mit immensen Blähungen
bekäme und diese Beschwerden erst nach fürchterlichen Abgängen
nachliessen. Er glaube, dass es sich hier um eine besorgniserregende Verengung
des Darmausgangs handele. Nach Abklopfen und Abhorchen der Bauchdecke erhärtete
sich der vom Patinten geäußerte Verdacht. Als Therapie emfahl der
Wunderdoktor, "die Linsen erst mal weg zu lassen und diese z.B.
durch Bohnen zu ersetzen". Im übrigen würde nach seinen
Erfahrungen ein fauler Zahn auch zur Ursache der Beschwerden beitragen.
Eine Operation sei nicht erforderlich, aber der Zahn sei umgehend zu entfernen.
Das Zahnziehen verlief komplikationslos. Mit lüsternem Gesichtsausdruck
verpassste die Assistentin dem Patienten eine mächtige Spritze und
konnte ihm anschließend endlich mal einen schon längst fälligen Schlag auf den
Kopf versetzen. Der Arzt griff zu einem Gerät ähnlich einer Schmiedezange und
nach einem grässlichen Schrei des Patienten hielt er einen aussergewöhnlich
großen Zahn an der Zange . Triumphierend und für alle sichtbar
hielt seine Anästesistin das Monstrum in die Höhe, war sie doch
nun sehr froh, dass ihrem Göttergatten endlich mal "der Zahn
gezogen" wurde. Nach Abebben der Beifallsstürme des Publikums wandte
sich der Doktor nunmehr dem Patienten "B" (wie "Ben...")
zu. Dieser klagte mit Tränen in den Augen lautstark über entsetzliche Schmerzen
in allen Gelenken und Gliedern. Der Arzt untersuchte gründlich, überlegte kurz
und ordnete zur Verblüffung des Patienten und seiner Anhägerschar eine
umgehende Blasenoperation an. Auch diese ging unter ähnlichen
Bedingungen vonstatten. Nach einem herzhaften Schnitt mit einem Küchenmesser
ähnlichen Skalpell in
Bauchraum und Blase und routiniertem Fanggriff, liess er stolz einen schön
glänzenden, mittelgroßen Blasenstein die Runde machen. Nach altem Rezept
wurde zur Wundheilung der Bauch mit einem Bettlaken umwickelt und die Welt
für den Patienten war wieder in Ordnung. Ein Honorar wurde nicht fällig,
da es sich nach Einschätzung des Doktors wegen der fürchterlichen
Klageschreie der "eingebildeten Kranken" hier um Kassenpatienten
handele. Die normalerweise fälligen Behandlungskosten würde er sich bei den
"Privaten" wieder reinholen. Die Genesenen zeigten sich mit ein paar
Bierchen erkenntlich und der Wunderheiler verschwand, wie er gekommen war, ohne
aber vorher nicht seine Identität preisgegeben zu haben: Er sei der im
17./18. Jahrhundert praktizierende Arzt und in seiner Zeit weit über die Lande
hinaus bekannte Wunder-Doktor Johann Andreas Eisenbart. Er halte seine
Art zu heilen für die immer noch einzig richtige und wollte sie hiermit den
verweichlichten Bundesbürgern dieser Zeit, vor allem den Büttelborner
Naturfreunden, nur nochmals in Erinnerung rufen. Er selbst begebe sich nun
wieder in sein Grabmal in der St. Blasius-Kirche zu Han. Münden.
Die Naturfreunde waren baff, nahmens aber gelassen und starteten samt der schon
fast wieder genesenen Patienten nächsten Tag in Begleitung eines Shanty-Chores
nochmals zu einer Weser-Schiffstour, ehe sie nach diesen erlebnisreichen
Tagen wieder die Heimreise antraten.
Anmerkung: Die Leser mögen dem Schreiber diese etwas zu
ausführlich geschilderten Krankengeschichten verzeihen. Aber so war´s
halt.
Oder fast.
Zur nächsten Wanderung geht es am 12. Juni nach Bad Nauheim.
Die
Anreise erfolgt per Bahn. Treffpunkt 08.20 Uhr Bhf GG-Dornberg, Abfahrt
08.38 Uhr
Entsetzliche
Schreie bei Beruhigungsspritze (Patient "Lu...") Schadenfrohe
Anästhesistin

Blasenstein-Patient
"Ben..." in Todesangst